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Grundlagen

Zensur im Internet – einfach erklärt

Immer mehr Webseiten sind über ihre gewohnte Adresse nicht mehr erreichbar, weil Internet-Anbieter sie blockieren. Hier steht, wie das technisch geht, wer das veranlasst und wie du die Seiten wiederfindest.

Was ist ein DNS-Server?

Jede Webseite hat einen Namen (zum Beispiel google.com) und eine Nummer, die IP-Adresse. Dein Gerät kann nur mit der Nummer etwas anfangen.

Der DNS-Server ist das Adressbuch dazwischen. Dein Gerät fragt: „Welche Nummer hat google.com?" – der DNS-Server antwortet mit der IP-Adresse, und erst dann lädt die Seite.

Normalerweise nutzt du automatisch den DNS-Server deines Internet-Anbieters. Du kannst aber jederzeit einen anderen wählen.

  1. Dein Gerät fragt nach google.com
  2. DNS-Server das Adressbuch
  3. Antwort richtige Nummer
  4. Webseite lädt
Normalfall: Der DNS-Server nennt die richtige Nummer, die Seite lädt.

Wie wirkt eine Sperre?

Bei einer DNS-Sperre gibt der DNS-Server des Anbieters absichtlich eine falsche Antwort. Statt der echten Nummer bekommt dein Gerät eine, unter der nur eine Hinweis-Seite liegt – oder gar keine.

Die Seite selbst wird nicht gelöscht. Sie liegt weiter auf ihrem Server. Nur das Adressbuch deines Anbieters verweigert die Auskunft.

Deshalb richten viele Angebote laufend neue Adressen ein. Welche gerade funktionieren, steht in der Liste der gesperrten Seiten.

  1. Dein Gerät fragt nach google.com
  2. DNS-Server des Anbieters
  3. Antwort falsch oder leer
  4. Hinweis-Seite statt der echten Seite
Bei einer Sperre antwortet der DNS-Server des Anbieters absichtlich falsch. Die Seite gibt es weiterhin – sie wird nur nicht mehr angezeigt.

Wer entscheidet über die Sperren?

Meistens die CUII – die „Clearingstelle Urheberrecht im Internet". Das ist ein Zusammenschluss großer Internet-Anbieter (zum Beispiel Telekom, Vodafone, 1&1, Telefónica) und Verbänden der Unterhaltungs-Industrie aus Film, Musik und Sport.

Die CUII prüft Anträge der Rechte-Inhaber und setzt betroffene Adressen auf eine Sperrliste, an die sich die beteiligten Anbieter halten. Ein Gericht ist die CUII nicht; teils lassen die Antragsteller die Einträge zusätzlich bestätigen.

In der Liste ist bei jedem Eintrag vermerkt, seit wann er geführt wird.

Warum ist das umstritten?

Entscheidung im Verborgenen

Die Satzung der CUII ist nicht öffentlich. Die offizielle Liste ist unvollständig und geschwärzt. Wer genau wie entscheidet, ist von außen kaum nachvollziehbar.

Interessen-Konflikt

Dieselben Anbieter, die sperren, verkaufen selbst Streaming-Abos der Unterhaltungs-Industrie. Jede blockierte Konkurrenz-Seite kann ihren eigenen Umsatz stützen.

Bedenken der Wettbewerbshüter

Das Bundeskartellamt hatte Zweifel an der Zulässigkeit der Absprache. Viele Dokumente dazu stehen unten zum Nachlesen.

Ein konkretes Beispiel für den Interessen-Konflikt

Der Jurist, der die Unabhängigkeit der Clearingstelle sicherstellen und ihre Struktur aufbauen sollte, wird seit Jahren von der Unterhaltungs-Industrie für Aufträge bezahlt – unter anderem im Streit von Sky Deutschland gegen das Portal S.to um die Serie „Das Boot" (2018). S.to war später das erste Angebot, das die CUII sperren ließ.

Während für Richterinnen und Richter strenge Neutralitäts-Regeln gelten, gibt es solche Regeln für die CUII nicht. Wer bei der CUII die Interessen der Nutzerinnen und Nutzer vertritt, ist nicht vorgesehen.

Interne Dokumente zum Hintergrund

Behörden-Schriftwechsel und Vermerke rund um die Einführung der Sperren.

Sperrung von "ZIPERTO.COM" durch die "Clearingstelle Urheberrecht im Internet"

1 Dokument

Clearingstelle Urheberrecht im Internet und Netzsperren durch Internetzugangsanbieter (an Bundesnetzagentur)

123 Dokumente

Überprüfung der DNS-Sperren der CUII aufgrund der geänderten Sachlage (Antrag_01-2021)

1 Dokument

Clearingstelle Urheberrecht im Internet und Netzsperren durch Internetzugangsanbieter (an Bundeskartellamt)

9 Dokumente

Clearingstelle Urheberrecht im Internet und Netzsperren durch Internetzugangsanbieter (an Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)

13 Dokumente

Anfrage zur Funktionsweise und rechtlichen Grundlage der CUII

1 Dokument

Überprüfung/Gutachten der Bundesnetzagentur über die DNS-Sperre "Canna.to" bzw. "Canna Power" der Clearingstelle Urheberrecht im Internet (CUII)

2 Dokumente

Clearingstelle Urheberrecht im Internet und Netzsperren durch Internetzugangsanbieter (an Bundesministerium für Verkehr)

1 Dokument

Clearingstelle Urheberrecht im Internet und Netzsperren durch Internetzugangsanbieter (an Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik)

1 Dokument

Private Internetanbieter sperren auf eigene Faust Webseiten

1 Dokument

Häufige Fragen

Viele Internet-Anbieter blockieren bestimmte Adressen. Die Webseite gibt es weiterhin – dein Anbieter zeigt sie dir nur nicht mehr an. Meist erscheint eine Hinweis-Seite oder eine Fehlermeldung.

Der DNS-Server ist das Adressbuch des Internets. Er verwandelt einen Namen wie „google.com" in eine Nummer, damit dein Gerät die Seite findet. Bei einer DNS-Sperre gibt dieses Adressbuch absichtlich eine falsche oder gar keine Antwort.

Auf der Seite „Gesperrte Seiten" ist zu jedem Angebot aufgelistet, unter welchen Adressen es erreichbar ist. Viele Angebote wechseln regelmäßig ihre Adresse; die Liste wird laufend ergänzt.

In den meisten Fällen die CUII, ein Zusammenschluss großer Internet-Anbieter und Verbänden aus Film, Musik und Sport. Sie führt eine Liste, an die sich die beteiligten Anbieter halten.

Eine Sperre ist keine Aussage über dich als Nutzerin oder Nutzer. Ob die Inhalte einer Seite in Ordnung sind, hängt vom Einzelfall ab. Diese Website bewertet das nicht – sie erklärt die Technik und sammelt die Adressen.

Du kannst einen öffentlichen DNS-Server verwenden, der nicht filtert (zum Beispiel von Cloudflare, Google oder Quad9), oder „DNS über HTTPS" im Browser einschalten. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du unter „Sperre umgehen".

Ja. Welchen DNS-Server du benutzt, entscheidest du selbst. Das Umstellen ist eine ganz normale Einstellung deines Geräts oder Browsers.

„DNS über HTTPS" verschlüsselt die Adress-Anfragen deines Browsers. Sie laufen dann direkt zu einem DNS-Dienst deiner Wahl statt über deinen Internet-Anbieter. Das macht das Surfen sicherer und umgeht die Sperre.

Zum Umgehen einer DNS-Sperre nicht. Ein anderer DNS-Server oder DNS über HTTPS reicht. Ein VPN ändert zusätzlich deine IP-Adresse und kann aus anderen Gründen sinnvoll sein.

Sobald eine Adresse auf der Sperrliste steht, richten viele Angebote eine neue ein. Deshalb lohnt sich ein Blick in die Liste hier, wenn eine dir bekannte Adresse nicht mehr geht.

Seite wiederfinden statt aufgeben.